Die geistliche Betreuung der Hörbehinderten hatte sich seit langem als neue Aufgabe gezeigt. Hörbehinderte haben durch ihre Behinderung große Schwierigkeiten, den Gottesdiensten zu folgen. Mit einem gezielten Angebot sollten ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Doch hatten Pastorinnen und Pastoren diese Aufgabe oftmals nebenher wahrgenommen. Es wurde in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg üblich, in den einzelnen Propsteien der Landeskirche Pastoren mit der Aufgabe im Nebenamt zu betrauen.
Die Gehörlosenseelsorge bedeutet hauptsächlich kirchliche Gemeindearbeit unter besonderen Umständen. Der Kreis der Gemeindemitglieder ist nicht mehr überwiegend medizinisch, sondern soziologisch definiert. Es steht sowohl Gehörlosen und anderen Hörgeschädigtebn (Frühertaubte, Schwerhörige und Spätertaubte) sowie auch deren Angehörigen und Menschen, die der Gebärdensprache fähig sind, offen. Besonderes Gewicht hatten bei der Gemeindearbeit Bildungsreisen und Ausflüge sowie der Konfirmandenunterricht und -freizeiten. Hinzu kommt der Besuch einiger Kirchentage.
Auch wenn dies weiter eine Maxime bleiben sollte, bedurfte gerade die geistliche Versorgung der Gehörlosen im Hamburger Raum einer Grundlage. Hierzu verständigten sich die Landeskirchen Hamburgs und Schleswig-Holsteins auf die Berufung von Pastor Martin Rehder als nebenamtlicher Seelsorger für die Gehörlosen im Hamburger Raum. Er selber hatte die Initiative dazu ergriffen, weil er seit 1961 bereits in der Propstei Stormarn als Gehörlosenseelsorger tätig war. So konnte er 1964 die Arbeit in den Propsteien Altona, Blankenese, Niendorf und Stormarn aufnehmen. 1965 konnte er die Arbeit auf das Gebiet der Hamburger Landeskirche ausdehnen. Er blieb hauptamtlicher Pastor in der Kirchengemeinde Barsbüttel, Propstei Stormarn. Rechtlich war seine Aufgabe als Gehörlosenseelsorger bei der Kirchengemeinde Barsbüttel angesiedelt, die dem unter der Maßgabe zugestimmt hatte, dass die Kosten durch die beteiligten Propsteien ersetzt würden. Die gleichen Voraussetzungen mussten 1970 für die Anstellung einer Gemeindehelferin bei der Kirchengemeinde erfüllt werden, die ausschließlich für die Betreuung der Gehörlosen zuständig war. Daneben erfuhr Pastor Rehder über längere Zeiten Unterstützung von Pastorinnen und Pastoren in einzelnen Aufgabenfeldern. 1970 verständigten sich die Hamburger Landeskirche und die beteiligten Propsteien, dass die Hamburger Landeskirche die Finanzierung der Schwerhörigenseelsorge vollständig alleine trage, dafür die Propsteien die der Gehörlosenseelsorge komplett übernehmen würden. Diese Vereinbarung wurde für die Zeit ab 1. Januar 1977 im Rahmen der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche fortgeschrieben, erweitert um den neuen Kirchenkreis Harburg. 1993 wurde Pastor Eckart Schaade als zweiter Seelsorger für die Gehörlosen im Raum Hamburg eingesetzt. 2003 ging Pastor Rehder in den Ruhestand. Die Nachfolgerin ist Pastorin Systa Ehm, Barsbüttel.
Hinweis: In 64.11 Dokumentation (Nordelbien) (14) liegt zum Stichwort. Taubstummen- und Gehörlosenseelsorge vor: 50 Jahre Gehörlosengottesdienste an der Christuskirche Hamburg-Wandsbek - 2. Oktober 2011. Festschrift und Sammlung von Farbfotos (mit SW-Kopien) zum Gemeindeleben [Pastoren M. Rehder, Eckhart Schaade, Klaus Schläger, Systa Ehm, Jürgen Knaak, Monsignore K.-J. Rudolph, Jürgen F. Bollmann, Matthias Bohl, Sebastian Borck, Christian Eissing, Arnd Schmomerus, Richard Hölck; Gemeindevorstände und Gemeindeveranstaltungen] (2011). |
a. Archivische Bearbeitung Sie wurden 2007 von der Praktikantin Jana Müller-Siegwardt geordnet, geordnet, verzeichnet und klassifiziert. Die erarbeitete Titelkartei wurde von ihr mit dem EDV-Archivprogramm AUGIAS 7.4 in den Computer des Nordelbischen Kirchenarchivs eingegeben.
b. Bestandsgeschichte Die Unterlagen stammen aus der Zeit von 1962 - 2001. Die Unterlagen zur Gehörlosenseelsorge sind ausschließlich bei Pastor Rehder erwachsen. Demgemäß ist durchaus mit Lücken zu rechnen. Auf Anregung des Nordelbischen Kirchenarchivs gab er sie vor seiner Zurruhesetzung 2000 ab. Es handelt sich primär um die Organisation von Amtshandlungen und Veranstaltungen im Zuge der seelsorglichen Tätigkeit: Diese reicht von Predigten, Aufsätze und Erstellung von Broschüren über die Organisation von Reisen, Konventen und Kirchentagen bis zu Jahresberichten, Strukturanpassung und Visitationen. Hervorzuheben ist die Studienreise Pastor Rehders in die USA mit der dazugehörigen privaten wie kirchlichen Korrespondenz. Aber auch seine Tätigkeit als Missionsbeauftragter der Deutschen Gehörlosenseelsorge kommt in einigen Bereichen zum Vorschein, z.B. in dem Reisebericht über die Mwanga-Schule. Ergänzt wird der Bestand durch eine ausführliche Diasammlung, die um die 500 Dias beinhaltet und die vor allem die Auflüge und Reisen bildhaft festhält.
3. Hinweise auf andere Bestände; Literaturangaben
a. Hinweise auf andere Bestände LKANK, 11.03, Landespropst für Südholstein (Schleswig-Holstein) LKANK, 11.11, Landeskirchenamt (Schleswig-Holstein) LKANK, 12.10, Landeskirchenamt (Hamburg) LKANK, 31.1.28, Konvent der Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorger (Nordelbien)
b. Literaturangaben keine |